Heute schreibe ich das erste Mal auf meiner neuen Webseite, worüber ich mich sehr freue. Neben dem Blog hat hier auch meine direkte Arbeit mit Menschen mehr Platz bekommen.  Auch kennzeichnet der heutige Tag den Beginn einer Zusammenarbeit in der Gemeinschaftspraxis „Schwoagaweg 12“ in Holz, in der ich mehr Raum für neue Klienten habe.

Meine Aufbruchstimmung passt zu dem, was sich vor meinem Fenster abspielt.

Der Winter geht seinem unweigerlichen Ende zu. Mit kaltem Wind wehrt er sich noch, aber die sprießenden Tulpen lachen ihn siegessicher aus. Eine Zeit, in der vieles im Verborgenen gewachsen ist, weicht der, in der das frische Leben unaufhaltsam ans Licht möchte.

Vielleicht ist es dir gelungen, dem Rhythmus der Natur zu folgen und du hast länger geschlafen, mehr Zeit bei Kerzenschein auf dem Sofa verbracht, gekuschelt und dich mehr herausgenommen aus der Welt, die niemals zu schlafen scheint.

Empfindsame Menschen halten oft inne, ziehen sich immer wieder zum Auftanken zurück, halten mit ihrer Energie haus und konzentrieren sich auf das Wesentliche – die Werte, ohne die ihr Leben sinnbefreit wäre.  Meine Arbeit mit empfindsamen Menschen besteht oft darin, sie in dem zu bestärken, was sie sowieso schon wissen, das aber manchmal verloren geht in einer Welt, die sich nicht an natürliche Rhythmen hält und sich so benimmt, als gäbe es keine Begrenzung der Ressourcen.  Als gäbe es keinen Wechsel von Tag und Nacht, von Aktivität und Passivität, von Winter und Frühling, der in unseren Breitengraden in der Natur sehr deutlich zu beobachten ist.

Als empfindsamer Mensch nimmst du sehr viel wahr und kannst dir das Wissen der Natur zu Nutzen machen. Nach der Ruhe, der trägen Langsamkeit ist jetzt das Sprießen an der Reihe. Was in dir möchte sichtbar werden? Was in dir möchte den geschützten Bereich verlassen und sich dem Licht entgegenstrecken?

Ich frage dich ganz bewusst, da wir in einer Zeit leben, die uns animiert, alles zu jeder Zeit zu teilen. Sichtbarkeit ist heilig und das Innerste nach Außen kehren scheint jederzeit angemessen zu sein.  Bewusst zu fragen, was in dir jetzt, in diesem Moment deines Lebens, ins Licht treten möchte und was noch verborgen bleiben möchte, kann einen Akt der Weisheit bedeuten.

Möchtest du dich trauen, deine Verletzlichkeit in deiner Partnerschaft zu zeigen, deine Wertschätzung am Arbeitsplatz zu teilen, auch mal deine starke Seite in den Vordergrund zu rücken? Endlich mal singen, mit Freundinnen ausgehen, einen alten Freund kontaktieren? Ein Unternehmen gründen oder ein Buch schreiben? Möchtest du dich trauen, mehr Sinnlichkeit zu entdecken oder zu lernen, alle viere ohne schlechtes Gewissen von dir zu strecken? Was möchte ans Licht? Deine Führungsqualitäten, deine Lust auf Schlemmen oder traust du dich an Konflikte heran, die du bis jetzt umschifft hast?

Du musst nicht alles gleichzeitig angehen, du musst nichts erreichen. Die Chance, dir selbst und dem Geheimnis des Lebens ein bisschen näherzukommen, besteht vielleicht genau darin, dir das Wachsen zuzutrauen. Du bist am Wachsen, du entwickelst dich weiter, in deinem Rhythmus, innerhalb deiner Möglichkeiten.  Je mehr du deinem inneren Wachstum mit seinen Schwankungen vertraust, umso besser kann sich dein Körper entspannen, der sich nach dieser Botschaft sehnt: „Ich bin in Ordnung. Ich entwickle mich genauso wie es richtig ist. Nichts in mir ist so wie es gestern war.“

Es drückt im Moment von allen Seiten. Manchmal sieht es so aus, als wären wir von schwelenden Konflikten umzingelt. Das bedeutet aber auch einen unglaublichen Wachstumsschub. Jenseits von „Wer hat recht“ und „Wer ist schuld“ sind wir einem Wachstumsschub unterworfen. Gesellschaftlich sowie persönlich. Gib dich deinem Wachstumsprozess hin. Du bist wertvoll und du bist jetzt hier. Lass ein, dass das ans Licht kommt, was gesehen werden möchte. Lade deine verborgenen Anteile und Fähigkeiten ein, zu sprießen wie die Tulpen auf meiner Terrasse. Im Vertrauen darauf, dass der Frühling weiß, was er tut.

 

 

 

 

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